Mit unerschütterlichem Optimismus durch Long COVID

Mit unerschütterlichem Optimismus durch Long COVID

Alma Baltic leidet seit Dezember 2020 unter den Folgen einer COVID-19-Infektion. Muskelschwäche und kognitive Schwierigkeiten haben seither zu einer Vielzahl an Unfällen geführt. Mit beispielhaftem Optimismus geht die Mutter von drei Kindern durch diese Krise.

«Mentale Stärke» - dieses Stichwort verkörpert die Long COVID Patientin Alma Baltic in beeindruckender Ausprägung. Während Sie Ihre Geschichte erzählt, bewundert der Zuhörer zwangsläufig die Gefasstheit, mit der Sie von Ihren Erfahrungen mit den Langzeitfolgen nach einer Corona-Infektion berichtet. Die 53-Jährige schildert ihr Leben vor der ersten COVID-19 Infektion: Die Pflegefachfrau und Mutter von drei Kindern war sowohl privat als auch beruflich immerzu aktiv. Trotz einiger Schicksalsschläge, die sie als junge Frau zu bewältigen hatte, sei Alma Baltic allen Herausforderungen stets positiv begegnet. Mit Freude an der Arbeit, Sport und Gesang gestaltete sie ihr Leben. Während des Interviews übersetzt sie ein Sprichwort aus dem Serbischen: «Nimm alles Positive, was das Leben Dir heute gibt.»

 

Bild2 Bearbeitet

Alma Baltic führte ein aktives Leben – mit viel Freude an der Arbeit, Sport und Gesang. (Bild: privat)

Im Dezember 2020 musste sie das Tempo drosseln: Ein Corona-Infekt zwang sie mit Kopfschmerzen, Fieber, Muskelschwäche und kognitiven Schwierigkeiten ins Krankenbett. Alma Baltic habe sich nur langsam von den akuten Beschwerden erholt – noch im Frühjahr 2021 sei es ihr lediglich stundenweise etwas besser gegangen. In starker Ausprägung seien vor allem die anfallsartige Muskelschwäche und die kognitiven Schwierigkeiten geblieben. Dank einer guten ambulanten Betreuung durch ihre Ärzte und Therapeuten habe sie kleine Fortschritte machen können, bis sie sich kurz vor Ostern 2021 wieder fit genug fühlte, um eine erste kurze Fahrt mit ihrem E-Bike zu unternehmen. Vermutlich ein Schwächeanfall habe rückblickend dazu geführt, dass die Pflegefachfrau während dieser Fahrt schwer stürzte und ins Krankenhaus eingeliefert werden musste.

Ein Sturz mit dem E-Bike verschlimmerte die Situation

Nach dem Unfall begann Alma Baltic eine Rehabilitationstherapie. Doch als sie aus dieser entlassen wurde, sei die 53-Jährige noch nicht wieder in der Lage gewesen, normal zu gehen – zu Hause bekam sie glücklicherweise Unterstützung von ihren Kindern, die ihr halfen, den Alltag zu bestreiten. Zwischen unzähligen Arztbesuchen und Therapieansätzen kämpfte sich die Pflegefachfrau in kleinen Schritten voran. Trotzdem habe sie insbesondere die kognitiven Schwierigkeiten und regelmässigen Schwächeanfälle nie ganz loswerden können. Dies resultierte in einer Abfolge an Unfällen, die den Zustand durch die bestehende Long COVID-Problematik noch verschlimmerten. Nachdem es im Oktober 2021 zu einem weiteren Sturz kam, zog Alma Baltic sich Verletzungen zu, die ihre Bewegungsfreiheit stark einschränkten.

Mittlerweile musste die Long COVID-Betroffene auf ein ganzes Jahr Krankheit zurückblicken. Nicht nur Long COVID sowie die Unfallfolgen selbst stellten eine enorme Belastung dar, berichtet Alma Baltic: Der Zusammenhang zwischen der Long COVID-Symptomatik mit den Unfällen sei häufig schwer nachvollziehbar für das private und medizinisch betreuende Umfeld gewesen – in der Kommunikation eine ganz besondere Herausforderung. Als man ihre Schmerzen auf psychosomatische Muster zurückführte, habe sich die Pflegefachfrau nicht ernst genommen und allein gelassen gefühlt.

Zahlreiche Unfälle durch Long COVID-Symptomatik

Im Frühjahr 2022 folgte ein orthopädischer Eingriff. Aus erfolgreicher Rehabilitation und guter ärztlicher Betreuung schöpfte Alma Baltic neue Kraft und traute sich schliesslich zu, einen grossen Schritt in Richtung ihres alten Lebens zu gehen. Im Sommer 2022 startete sie einen Versuch an ihren Arbeitsplatz zurückzukehren. Dort bereiteten ihr die Folgen von Long COVID und den Unfällen jedoch grosse Schwierigkeiten: Obwohl sie es als Pflegefachfrau früher gewohnt war, unter grossem Zeitdruck zu arbeiten und auch körperlich anspruchsvolle Tätigkeiten zu übernehmen, musste sie feststellen, dass sie nicht mehr stressbeständig und körperlich belastbar war. Erneute Schwächeanfälle führten auch am Arbeitsplatz zu Zwischenfällen und Verletzungen. An den permanenten Schmerz hatte Alma Baltic sich mittlerweile beinahe gewöhnt, berichtet sie, ebenso an den nicht enden wollenden Marathon an Arztbesuchen und die energieraubenden Verhandlungen mit den Versicherungen.

Eine dauerhafte Rückkehr in den Pflegeberuf war aufgrund der Long COVID-Symptomatik für Alma Baltic nicht möglich. In der Folge habe sie ihre Anstellung verloren, erzählt sie. In dieser Situation habe sie sich sehr allein gelassen gefühlt und hätte sich mehr Unterstützung seitens ihres Arbeitgebers gewünscht.  

 

Bild3 Bearbeitet

In ihrem Beruf als Pflegefachfrau fand Alma Baltic Erfüllung und Freude. (Bild: privat)

Mit grossem Rückhalt ihrer Kinder sucht die 53-Jährige nach Wegen, ihren Alltag wieder selbstständig bestreiten zu können. Sie wünscht sich eine Teilzeit-Anstellung in einem körperlich weniger belastenden Bereich, denn die Arbeit sei für sie immer selbstverständlich und sehr wichtig gewesen, erzählt sie. Trotz aller Rückschläge ist sie positiv, dass sie es schaffen wird: «Was mich nicht umbringt, macht mich stärker!». Ihre Begeisterung für Fitness, Schwimmen und gesellschaftliche Aktivitäten, die sie auch in schwierigen Phasen nie aufgegeben hat und wann immer es ihre Verfassung zulässt auslebt, hilft Alma Baltic dabei, stetig Fortschritte zu machen. Ihr Durchhaltevermögen ist beispielgebend für viele andere Long COVID-Betroffene und darf Mut machen.