26.05.2021

Brigitte Post war eine der ersten, die sich mit COVID-19 infiziert hatte. Sie war die erste, über deren Geschichte mit Long COVID Altea berichtet hatte. Und nun gibt es höchst erfreuliche Neuigkeiten: Seit der zweiten Impfung geht es ihr wieder gut. Lesen Sie im Update am Ende des Artikels, wie es ihr in den letzten zwei Monaten ergangen ist.

In einer Hinsicht ist Brigitte Post ein sehr untypischer Fall von Long COVID. Sie dürfte sich als eine der ersten Personen in der Schweiz infiziert haben – über einen Monat vor dem ersten offiziell bestätigten Fall. Und sie begann zu einer Zeit an Symptomen von Long COVID zu leiden, als noch niemand von diesem Phänomen gehört hatte.

Pilzige Zunge und Hautausschlag

Die Schweiz schickte sich gerade in den ersten Lockdown, als Brigitte Post zu Hause sass und ihr die Haare auszufallen begannen. Dann der plötzliche Befall der Zunge, die tagelang einen pilzigen Belag hatte, bald gefolgt von einem Hautausschlag am ganzen Körper. Und das alles, ohne dafür eine Erklärung oder Einordnung zu bekommen, und entsprechend auch keine Perspektive.

«Die Haare fielen mir büschelweise aus, und ich dachte: ‹Habe ich nun für den Rest meines Lebens eine Glatze?›»

Vieles, was Brigitte Post erlebt hat, kennt man heute aus anderen Verläufen von Long COVID. Etwa auch die Konzentrationsfähigkeit, die gelitten hat. «Ich drucke eine Rechnung aus, und dann am Nachmittag gleich noch einmal. Oder ich lege mir etwas zu Mitnehmen hin, und lasse es dann trotzdem liegen», erzählt sie. Doch eben: Als sie ganz akut betroffen war, wusste man von alledem noch wenig bis nichts.

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Hilfreiche Maltherapie

Geholfen bei der emotionalen Verarbeitung hat Brigitte Post unter anderem eine Maltherapie. Sie malte ein Bild, wie es vor der Krankheit war. Und dann eines über die Zäsur, die schlimmste Zeit im Spital. «Es war traurig, das alles wieder hochzuholen – aber sehr heilsam.»

In die Psycho-Ecke gestellt

Etwas anderes, was Brigitte Post zu schaffen machte, waren immer wieder skeptische Reaktionen – denn ihre Beschwerden sind von aussen nicht sichtbar. «Ich hatte schlimmste Symptome, später die unüberwindbare Erschöpfung – und dann sagen einem manche, es sei eine Grippe, oder ich solle Psychopharmaka nehmen. Was entgegnet man da?» fragt sie rhetorisch. Sogar in einer der spezialisierten Sprechstunden erlebte sie, dass ihr statt der erhofften interdisziplinären Betreuung eine Psychotherapie nahegelegt wurde.

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Erlösung durch Diagnose

Die Erlösung kam schliesslich nach einem Jahr. Weil Post so früh erkrankte, hatte sie keinen positiven Test vorzuweisen, ein Antikörper-Test Monate später fiel negativ aus. Schliesslich hörte sie von einer Studie am Universitätsspital Bern. Forschenden gelang es dort, Röntgenbilder der Lunge mit Künstlicher Intelligenz zu analysieren. Und zwar so, dass die Methode mit 97%iger Genauigkeit eine Covid-Lunge erkennt. Post schickte ihre Röntgenbilder vom 25. Januar 2020 ein – und bekam ein Jahr nach ihrer Infektion die Bestätigung, schwarz auf weiss: «Covid-Pneumonie.»

«Es wirkt, wie wenn der innerliche Kampf aufgehört hätte. Ich bin dankbar und extrem happy!»

Bald zurück auf 100%?

Die Erleichterung darüber war enorm, ein «Dammbruch» für Brigitte Post. Und auch sonst geht es ihr zunehmend besser. Sie arbeitet 50%. Dabei ist es von Vorteil, dass sie als selbständige Kommunikationsberaterin ihre Arbeitszeit frei einteilen kann. Und sie hofft, schon im nächsten Monat wieder voll arbeiten zu können. Es sei zwar nach 14 Monaten immer noch ein Auf und Ab. «Aber ich habe das Gefühl, ich steige langsam auf. Die Wellenbewegungen sind noch da, aber nicht mehr so heftig.»

UPDATE: Turnaround dank der Impfung

Das war der Stand der Dinge Ende März 2021. Wenige Wochen später kam aber der Dämpfer: «Meine kognitiven Beschwerden haben zugenommen und die Kurve geht auf die falsche Seite», schrieb Brigitte Post Mitte April ziemlich resigniert. Sie konnte noch nicht so arbeiten wie geplant.

Doch einen Monat später kam endlich die langersehnte Wende. «Es gibt Good News!», schreibt Brigitte Post Ende Mai. «Die Impfung hat bei mir wie einen RESET gemacht. Bereits nach der ersten Impfung vor einem Monat besserte es und nach der zweiten Impfung am 17. Mai hat sich mein Zustand nochmals markant verbessert.». Es wirke, wie wenn der innerliche Kampf aufgehört habe. «Es ist ein anderes Lebensgefühl, ich kann plötzlich wieder denken und habe Energie zum Leben», schreibt Brigitte Post. «Ich bin dankbar und extrem happy!»

Dieser Effekt, der «Reset», könnte auf eine Immunmodulation zurückzuführen sein. Mehr zur Frage einer therapeutischen Wirkung der Impfung gibt es im Interview mit Professor Jan Fehr nachzulesen.

Hilfreiche Atemtherapie

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Geholfen hat Brigitte Post nebst vielen Massnahmen zur Symptombekämpfung, konsequentem Pacing und einer gesunden Ernährung auch eine Atemtherapie. «Sie hat mir das Vertrauen in meine Lunge zurückgegeben. Die erste Einzelsitzung war ein so emotionaler Moment, dass ich weinen musste», erinnert sich Post. «Meine Lunge war so lange am ‹Chrampfen› gewesen. Die Atemübungen haben mir geholfen, dass die Lunge nach Wochen, ja Monaten endlich wieder einmal zur Ruhe kommen konnte.»