Chantal Britt

Chantal Britt
23.07.2021

In wenigen Wochen geht die Schule wieder los. Kinder ab 12 Jahren haben die Möglichkeit, sich impfen zu lassen. Sie können sich damit gut vor einer Infektion mit COVID-19 schützen und damit auch vor dem Risiko, an Long COVID zu erkranken. Im Vergleich mit Erwachsenen ist dieses Risiko geringer, aber trotzdem vorhanden. Je weniger Kinder sich infizieren, umso kleiner die Wahrscheinlichkeit, dass einzelne an Long COVID leiden werden – und umgekehrt.

Kinder unter 12 Jahren können noch nicht mit einer Impfung geschützt werden. Für sie sind andere Schutzmassnahmen umso wichtiger, gerade angesichts der Delta-Variante. Diese ist gemäss WHO eine «Variant of Concern», also eine besorgniserregende Mutation, und macht in der Schweiz über 75 % der Fälle aus. Erste Daten aus England deuten darauf hin, dass Kinder und Jugendliche einem erhöhten Risiko ausgesetzt sind, sich mit dieser Variante zu infizieren und sie zu übertragen.

In zwei Dritteln der Schweizer Schulen ist die Luftqualität ungenügend.

Wie also lassen sich die jüngsten Schülerinnen und Schüler schützen? Weil COVID-19 über Aerosole übertragen wird, kommt dem Lüften im Klassenzimmer eine zentrale Rolle zu. Diesbezüglich besteht in der Schweiz sehr viel der sprichwörtlichen Luft nach oben: Gemäss einer Studie des BAG ist die Luftqualität in zwei Dritteln der Schweizer Schule ungenügend.

Dieses Problem war schon vor der Pandemie bekannt, ist nun aber umso drängender. Es liesse sich mit einfachen Massnahmen beheben – wenn diese diszipliniert umgesetzt werden. Doch diese Disziplin über längere Zeit durchzuhalten ist schwierig, insbesondere, wenn es draussen kälter wird.

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Sache der Kantone und Gemeinden

Zudem gibt es aufgrund der Organisation des Schweizer Schulsystems keine einheitliche Richtlinie. Für Schulhäuser und den Schulunterricht sind die Gemeinden und Kantone zuständig. Die Bildungsdirektion des Kantons gibt Empfehlungen an das Volksschulamt, und dieses informiert die Schulleitungen.

Am Ende liegt die Verantwortung für die Umsetzung bei den Schulen und den einzelnen Lehrkräften. So schreibt zum Beispiel das Volksschulamt des Kantons Zürich: «Die Gemeinden/Schulen tragen die Verantwortung für eine adäquate Ausrüstung der Schulräume (…) (zum Beispiel Einsatz von CO2 Messgeräten).»

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Eine Möglichkeit der Entlastung sind CO2-Messgeräte. Steigt die CO2-Konzentration über einen kritischen Wert, schlagen die Messgeräte Alarm. So brauchen Lehrkräfte nicht ständig selbst ans Lüften zu denken.

Eine weitere – wenn auch teurere – Möglichkeit wäre, Luftfilter zu installieren. Insbesondere im Winter könnten diese einen entscheidenden Beitrag leisten. Dass in der Schweiz in kurzer Zeit alle Klassenzimmer mit solchen Anlagen ausgerüstet werden, scheint jedoch kaum realistisch. Auch repetitives Testen gehört nach wie vor zum möglichen Massnahmenpaket.

Wie wird es im Winter?

Fachleute stellen zur Debatte, ob die aktuellen Massnahmen ausreichen. So fragt die Genfer Virologieprofessorin Isabella Eckerle auf Twitter, warum nach 18 Monaten Pandemie «nicht jeder Raum, in dem Kinder betreut/unterrichtet werden, mit geeigneten Lüftungsanlagen ausgestattet ist. Erneut ein Winterhalbjahr ohne gute Schutzkonzepte?»

Die nächste Lageeinschätzung des Bundesrats ist für den 11. August vorgesehen. Darauf basierend werden die Kantone allfällig zu treffende Massnahmen prüfen und die Schulen informieren.